Abschied vom Papa, Mama bleibt zu Hause

“Die Angehörigen wollen es so, also lasse ich es dabei, die Witwe bleibt zu Hause“ ist leider oft das Argument der Bestatter, einen Menschen mit Demenz bei Abschied und Trauerfeier auszugrenzen.

Die Auswirkungen werden erst später sichtbar. Eine Pflegerin erzählte:

„Eine demente Bewohnerin, deren Ehemann gestorben war, durfte nicht bei der Beerdigung ihres Mannes dabei sein. Die Frau musste nach einer langen, glücklichen Ehe die Bestattung ihres Mannes auf Video „miterleben“. Jetzt fragt die arme Frau ständig: „Haben sie vergessen, mich zur Bestattung mitzunehmen?“ Ich kann es ihr einfach nicht erklären.“

Diese schmerzliche Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Demenz verdeutlicht, wie wertvoll eine demenzfreundliche Bestattung ist.

Circa 24.500 Menschen mit Demenz verlieren 2022 in Deutschland ihren Lebenspartner.

Sie werden im Allgemeinen nicht bei der Gestaltung des Abschieds ihres Lebenspartners einbezogen. Am Tage der Trauerfeier werden sie meistens zu Hause gelassen.

Jeder Bestatter wird, heute oder morgen, mit diesen herausfordernden Umständen konfrontiert werden.

Bestatter Sybille Wetzel und Koert Huber haben in 2017 von Alzheimer Niederlande die Auszeichnung „Demenzpartner“ bekommen, da sie sich mit ihrer Methode Demenzfreundliche Bestattung für Menschen mit Demenz und deren Angehörigen einsetzen.

Sybille Wetzel erzählt über ihre Erfahrungen: „Die An- und Zugehörigen werden die schmerzliche Abwesenheit ihres Vaters, Opas, Bruders, Onkels, Freundes allerdings nie vergessen. Um sich von, den zwangsläufig später einsetzenden, Schuldgefühlen zu befreien, geben sie oft im Nachhinein einfach dem Bestatter die Schuld für die Abwesenheit ihres geliebten Menschen beim Abschied. Und, darüber hinaus, sie erzählen das auch den Nachbarn, Freunden und Bekannten. Es gibt in dieser Situation nur Verlierer.“

Das Interesse aus der Bestatterbranche für diese Methode haben Sybille Wetze und ihren Partner Koert Huber inspiriert, eine Schulung für die Bestatterbranche zu entwickeln. Koert Hubers Erfahrung in der Entwicklung von Weiterbildungsseminaren für Unternehmen hat sich hier als ein wertvoller Faktor erwiesen. 2018 gründeten sie in den Niederlanden das Schulungsunternehmen DeMensTraining und haben seit 2021 auch eine Niederlassung in Berlin.

Über die Schulung für die deutsche Bestatterbranche erzählt Koert Huber: „Eine gute Vorbereitung auf solch eine Situation hat sich für Bestatter als sehr hilfreich erwiesen. Mit Wissen, Kenntnis und Fähigkeiten ermutigt und begleitet der demenzfreundliche Bestatter, Schritt für Schritt, die Angehörigen zu einer gemeinsamen Teilnahme an Abschied und Trauerfeier. Nach dem Abschied haben die Angehörigen ein gutes Gefühl über die getroffenen Entscheidungen und die professionelle Begleitung des Bestatters.“

Fast 500 Bestatter in den Niederlanden und Deutschland entschieden sich für eine professionelle Vorbereitung auf diese Situation. Nach zwei intensiven und inspirierenden Schulungstagen, zusammen mit anderen Kollegen, wurden sie zu Demenzfreundlichen Bestattern geschult.

Referenzen

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